Brutwärme
... ist ca. 35°C (34°-36°C). Die Wärmeregulierung ist von der Einzelbiene und der Dichte des Bienensitzes abhängig. Früher war man der Ansicht, dass die Brut die Wärme produziert, heute weiß man, dass es die Bienen jeder Altersstufe sind, bis auf die ein bis zwei tägigen Bienen die sich nicht daran beteiligen. Je kälter es ist, desto enger sitzen die Bienen in der Wintertraube zusammen.
Zum Abbau von Wärme im Sommer sind andere Mechanismen erforderlich, wie das Fächeln der Bienen am Flugloch und in den Wabengassen und das Eintragen und Verdunsten lassen von Wasser. BÜDEL berichtet in seinen Arbeiten über die Bienenphysik, dass ein großes Flugloch am besten für den Bien ist, um die Regulierung der Temperatur vorzunehmen, der Drahtboden als „überdimensionales Flugloch“ kommt dem am ehesten entgegen. Die Bienen produzieren die Wärme durch Vibration mit dem großen Brustmuskel und durch variieren der Bienendichte in der Bienentraube. Neueste Arbeiten von TAUTZ und Mitarbeitern beschreiben, wie die Bienen es bewältigen die Brut zu erwärmen.
Zum Bewärmen einzelner Brutzellen drücken sie sich auf die Brutdeckel und heizen so mit ihren Brustmuskeln die Zelle auf. Oder aber sie kriechen kopfüber in eine leere Zelle in der Brutwabe und beginnen da ihre Heiztätigkeit und erreichen so mit ihrer Wärmeproduktion sechs andere Brutzellen, die unmittelbar an dieser „Heizzelle“ liegen. Es scheint also wichtig zu sein, dass im Brutnest auch leere Zellen vorhanden sind. Inwieweit das die Züchtung auf lückenlose Brutnester beeinflussen sollte, kann TAUTZ noch nicht sagen. Die Temperatur darf auf der Traubenoberfläche nie unter dem Erstarrungspunkt von +10°C absinken.
Dagegen ist die Temperatur in den Wabengassen außerhalb der Bienentraube im übrigen Beutenraum weitaus niedriger. „Jede Biene ist ein Öfchen, der Bien ist ein kleines Kraftwerk“, Öfen und Kraftwerke benötigen aber Brennstoff, der jederzeit zur Verfügung stehen sollte. Daher muss bereits im Spätsommer reichlich aufgefüttert werden, es hat nämlich keinen Sinn im März/April Notfütterungen vorzunehmen, weil dann der Bien in seiner Entwicklung schon geschädigt ist.
Die Einzelbiene ist auch in der Lage bei niedrigen Temperaturen auszufliegen, obwohl das für sie eigentlich tödlich ist. Durch Muskelzittern erhöht sie die Temperatur im Brustkorb und ist so in der Lage z.B. im Frühjahr bei Außentemperaturen von um die 10° C einmal schnell zum Wasser zu fliegen. Das kann ein jeder Imker selbst beobachten, wenn im Frühherbst die Temperaturen ein, zwei Tage so niedrig sind, rührt sich so gut wie keine Biene am Flugloch, dagegen kann der Imker im Frühjahr, solange es nicht regnet, regen Flugverkehr an seinen Fluglöchern beobachten.
Geert Staemmler