Zucht
- Buckfast: www.buckfast-zucht.de
- Norddeutsche Peschetz Zuchtgemeinschaft e.V.: www.NPZ-ev.de
- Züchterring Ratzeburg: www.belegstelle-list.de
2005 Buckfast - Belegstelle Friedrichskoog
Belegstellenbericht 2005 Von Dipl. Agr. Ing. Dr. Peter Stöfen Auch wenn in Anbetracht eines wunderschönen Oktobertages mit Bienenflug und einer einzigartigen herbstlichen Stimmung die Zeit der Besinnung und Bilanzierung noch nicht gekommen sein scheint, schreitet der Kalender unaufhaltsam voran und endlich kehrt nach der vielen Arbeit ein wenig Ruhe und Muße in unser Leben ein. Ruhe und Muße, sich mit seiner Tätigkeit und dem Erreichten kritisch auseinander zu setzen und daraus Hoffnungen, Wünsche und letztlich Ziele für die Zukunft abzuleiten. 2005 war die 2. Saison unserer Buckfast- Belegstelle. Lassen Sie mich eine etwas andere, mehr persönliche Bilanz ziehen und Ihnen etwas über die Philosophie unserer Zucht berichten, ohne in den Stil einer amtlichen Mitteilung zu verfallen. Das genetische Potential unserer Biene verdanken wir den Herren ImkermeisternHorst Preissl und Johannes Neuburger, die auf unzähligen Reisen,insbesondere nach Anatolien, Macedonien und ins zentrale Afrika ganz im Sinne von Bruder ADAM Bienenrassen gesucht und gefunden haben, die noch rein und von züchterischen Maßnahmen unbeeinflusst sind. Wenn genetische Anlagen zu erkennen waren, die zur Verbesserung der vorhandenen Buckfaststämme beitragen könnten, wurde dieses Material integriert. Ein langer kostspieliger Weg für den Beharrlichkeit, züchterischer Instinkt und eine große Völkerzahl unabdingbare Voraussetzungen sind. Als Beispiel dafür mag die Linie 501 (PN) aus der Ortschaft Bayburth in Ostanatolien gelten. Die züchterische Bearbeitung wurde von namhaften europäischen Züchtern aufgegeben, weil der Wert dieser Biene anfangs nicht erkannt wurde. Zwischenzeitlich wird die Nachkommenschaftdieser Linie von Horst Preissl als sein züchterisch größter Erfolg bezeichnet und wir sind stolz und dankbar dafür, dass wir mit herausragenden Töchtern unserer „Bayburth“ im nächsten Jahr exklusiv unsere Belegstelle beschicken können. Am Sonntag, den 17. April 2005, konnten wir unseren langersehnten hohen Besuch aus Österreich bei uns in Dithmarschen begrüßen. All unsere Völker wurden inspiziert, zu meinem Erstaunen und teilweise auch zu meiner Betroffenheit wurden lediglich zwei unserer Völker bzw. Königinnen für nachzuchtwürdig gehalten. Und das aus Gründen, die ich als züchtender Imker nicht zwingend nochvollziehen konnte. Aber so ist es nun mal. Ob man fünf, fünfzig oder wie wir in unserer Zuchtgemeinschaft über tausend Königinnen selektiert, eine ist immer nur die Beste. In diesem Zusammenhangfiel mir dieser Tage ein Referat von Imkermeister Johann van den Bongard in die Hände, aus dem der Unterschied zwischen mir und Horst Preissl anhand eines Beispiels für mich verständlich wurde und aus dem ich auszugsweise zitieren möchte: „Züchter sind für mich Menschen, die als besondere Gabe das Talent besitzen, Dinge und Zusammenhänge in einem Bienenvolk zu erkennen, die der Normalimker nicht sieht. Vergleichbar mit einem Künstler. Als Beispiel seien hier - ohne eine Berufsgruppe diffamieren zu wollen - der Künstler Vincent van Gogh und der Handwerksberuf Maler und Anstreicher genannt. Beide benutzen Farben, der eine aber, um Kunstwerke zu erstellen, der andere, um z.B. Räume zu verschönern. Ähnlich sehe ich es bei den Imkern. Jemand der Königinnen erstellt, ist noch lange kein Züchter. Die Menschen, welche Gabe des Züchtens besitzen, sind äußerst dünn gesät. Europaweit sind sie an einer Hand abzuzählen. Leider ist es oft so, dass Menschen eine Arbeit verrichten, zu der sie zwar vom handwerklichen und vom Grundwissen her befähigt sind, aber ihnen fehlt die Gabe, durch tiefere Einblicke in die Materie Zucht entscheidende Unterschiede zu erkennen und neue Einsichten zu gewinnen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich habe Hochachtung vor jedem, der sich mit der Thematik „Königinnenzucht“ befasst, doch nicht jeder ist ein van Gogh.“ (ZITATENDE) Deutlicher kann man diesen Unterschied nicht herausarbeiten. Möge uns unser van Gogh „Horstl“ noch lange gewogen und erhalten bleiben und mögen Propolis und Gelee Royal helfen, seinem züchterischen Genius auch weiterhin Flügel zu verleihen. Für die diesjährige Beschickung unserer Belegstelle entschieden wir uns für Töchter der Linie 483 (PN). Die selektierten Drohnenvölker wurden mit Baurähmchen versorgt, etwas gereizt und bereits am 22. April zur Belegstelle gebracht. Ein Zuflug fremder Drohnen auf den Heimatständen konnte damit ausgeschlossen werden. Mit zunehmenden Mond begann meine Tochter am 10. Mai mit dem Umlarven in die mit Gelee Royal versehenen Näpfe, gleichzeitig mussten bei Sturm und eisiger Kälte im „Sylter Nerz“ die Pflegevölker erstellt werden. Entsprechend war die Annahme dieser ersten Serien noch nicht sehr hoch, im Laufe des Sommers und unter Einbeziehung der Mondphasen wurden zunehmend mehr Zellen angeblasen. Am 25. Mai konnten dann die ersten Begattungskästen aufgestellt werden. Ab jetzt meinten es die Sonne und vor allen Dingen der Wind gut mit unseren Königinnen. Leider standen die MWK's immer noch in Viererböcken fast ebenerdig auf einer Palette. Mein Rücken erinnert mich zeitweilig auch heute noch an dieses unprofessionelle Vorgehen, aber die ersten Böcke aus Stahlrohren sind schon gefertigt, sodass im nächsten Jahr in einer regelrechten Strasse aus Vierer-Begattungseinheiten die Belegstellenarbeit und in erster Linie das Wiederbeweiseln wesentlich effizienter und systematischer erfolgen kann. Ein sich in unmittelbarer Nähe befindlicher Rapsschlag, sorgte für ausreichende Versorgung der Drohnenbrut. Zur Überbrückung der sich anschließenden Trachtlücke wurde eine Honigzarge unter den Brutraum gestellt. Ausgedehnte Weißkleebestände und die außendeichs liegenden Strandaster - und Strandfliederflächen sorgten für einen kontinuierlichen Futter- und Pollenstrom bis weit in den August hinein. Zur Sicherheit wurden mit den besten Königinnen Ableger erstellt, die verbliebenen Völker behielten dann bis weit in den Herbst ihre Drohnen. Insgesamt wurden 662 Begattungseinheiten in etwa die gleiche Menge Königinnen zu unserer Belegstelle gebracht. Durch die teilweise fehlende Rückmeldung der Fremdbeschicker ist das gesamte Begattungsergebnis nicht exakt anzugeben. Unsere eigenen Königinnen gingen jedoch zu 80,2% in Eiablage. Mit Sicherheit wäre das Ergebnis in diesem Jahr besser ausgefallen, wenn die Zweitbeweiselung mit Zweitschlupfzellen von Anfang an optimal verlaufen wäre. Am 15. August wurde die Belegstelle geräumt und wir konnten uns zum Schluß über eine gute Sommerhonigernte freuen, die in unserer Region leider überhaupt nicht mehr selbstverständlich ist. Die ersten Rückmeldungen über unsere Königinnen sind aus züchterischer Sicht durchweg positiv. Vor allen Dingen das Fehlen von späteren Umweiseln unterstreicht die günstige Lage der Belegstelle und das excellente Drohnenangebot. Wir werden auch zukünftig darauf achten müssen, dass unsere Biene noch ein „Bisserl ruppig“ bleibt. Man kann es mit der Sanftmütigkeit bzw. mit dem sog. „Weichzüchten“ auch übertreiben und das würde nach unserer Auffassung zu einem Vitalitätsverlust und damit letztlich zu geringeren Honigerträgen führen. Unsere Biene st kein Wundertier; wer dieses erwartet wird mit Sicherheit enttäuscht. Es wird auch Imker geben, die aus der Gewohnheit heraus nicht mit unserer Biene zurechtkommen. Auf alle Fälle sollte man sich vor der Umstellung auf die Buckfastbienenhaltung mit der einschlägigen Literatur vertraut machen. Besser wäre natürlich eine entsprechende Patenschaft. Beides würde vor Illusionen schützen. Nachzudenken habe ich im Winter in erster Linie arüber, wie ich das gesamte Belegstellenmangement, neben meiner Familie, Beruf und einer umfangreichen Imkerei im nächsten Jahr bewerkstellige. Ein erster Schritt ist bereits mit der Umstellung meiner Wirtschaftsvölker auf ein „Dadantmäßiges“ Imkern getan. Wir hielten die Umstellung auf das Dadantmaß im Gegensatz zu fast allen Buckfastimkern für nicht zwingend notwendig, sondern imkern in einem großen Brutraum mit 1 1/2 DNM und kleinen Honigräumen mit Kunststoffmittelwänden auf 3/4 DNM. Wir haben uns in der nur zweijährigen Umstellungsphase teilweise „blutige Nasen“ geholt und sind bezüglich einiger Details immer noch in der Findung. Unsere Trachtenverhältnisse im Sommer sind durch industrielle Agrarwüsten geprägt, die eine spezielle Ausrichtung der Betriebsweise auf den Raps notwendig macht, ohne das dabei die Möglichkeiten einer objektiven Beurteilung und Selektion der Königinnen eingeschränkt werden. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet sich in Verbindung mit unserer Biene eine deutliche Zeitersparnis ab. Doch darüber wird noch ausgiebig zu berichten sein. Abschließend möchte ich mich bei allen Förderern und Freunden unserer Belegstelle, insbesondere den beiden Landesverbänden, herzlich bedanken. Zum Glück leben wir hier in Schleswig- Holstein in einem friedlichen und produktiven Miteinander mit den Carnica Imkern. Wir alle haben mit unseren Bienen so unendlich viele Gemeinsamkeiten als das unnütze Gräben aufgeworfen werden müssen. Â